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garzweiler II experience

es sollte eigentlich nur ein kleiner ausflug mit bodo nach garzweiler werden, mal eben dorthin, ein paar bagger fotografieren und gut ist.
es kam anders…
auf der suche nach einem geeigneten platz kamen wir entlang der stillgelegten und wirklich gespenstischen autobahn a44 durch otzenrath, einer der orte, die den braunkohlebaggern weichen müssen…
im wahrsten sinne des wortes ein “geisterdorf”.
der grösste teil der menschen dort ist schon seit 3-4 jahren umgesiedelt. die meisten erhielten den verkehrswert für ihr haus und mussten sich ein neues heim bauen.
sehr beklemmend und irgendwie unvorstellbar. zur zeit leben noch 8 familien dort und perverserweise ist der kindergarten und die schule noch in betrieb. die kinder werden also von den neuen siedlungen in ihre alte, verlassene, langsam zerfallende heimat zur schule gefahren…
auf dem streifzug durch den ort trafen wir dieter müller-hennig, der seit nunmehr einem jahr den stetigen verfall des ortes auf mittelformat dokumentiert. er ist dort jedes wochenende anzutreffen und hat bisher über 1500 filme belichtet. ziel soll es sein, die ortschaft so genau wie möglich zu dokumentieren, und die bilder dann in der kirche von otzenrath auszustellen; sie wird das letzte gebäude sein, das abgerissen wird.
interessante und unglaubliche geschichten weiss er zu erzählen:
von den “leichenfledderern”, die kaum dass ein haus verlassen war, in dieses eindrangen und alles mitnahmen, was nicht niet- und nagelfest war…
von feuerwehrübungen an verlassenen doppelhaushälften, deren andere hälfte noch bewohnt war…
von dreisten dieben, die die haustür eines noch bewohnten hauses gestohlen haben…
und von vielen anderen einzelschicksalen…

wir standen vor einem halb abgerissenen haus, als ein renterpärchen vorbeispazierte. “dort haben wir bis vor drei jahren gewohnt, der nachbar ist erst kürzlich ausgezogen…”

die ganze ortschaft gleicht militärischem sperrgebiet, es patroullieren sicherheitsdienste und der werksschutz von rheinbraun.

ein paar der eindrücke habe ich versucht fotografisch festzuhalten, sie sind zu finden in form einer fotostrecke im tageswerk.

3 comments »

  1. Sehr eindrucksvoller Bericht. Ebenso gruselig wie vorstellbar.
    Dazu deine Bilder, das solltest du direkt zusammenbringen. Unbedingt!

    reply

    comment by gr.a.pf — 14.12.05 @ 12:43
  2. Hast Du von ihm nochmal was gehoert?
    … und mach aus den Bildern wirklich mal eine eigene Gallerie, die gehen sonst unter.
    Gruesse von der Themse

    reply

    comment by Peter — 21.12.05 @ 17:09
  3. Ich schreibe meine Diplomarbeit über Otzenrath allerdings im FAch medienkommunikationsdesign, also gestalte ich sie eher. Freue mich über alles material für mein Buch, was ich bekommen kann. Also meldet euch mal bei mir
    Silvia

    reply

    comment by Silvia Königs — 08.05.06 @ 14:50

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